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Sinn suchen
Ständig muss Martin darüber nachdenken, was das alles
für einen Sinn hat. Was bringt es z.B., sich zu freuen und
zu vergnügen? Da niemand eine überzeugende Antwort hat,
wird er von Tag zu Tag unglücklicher und versinkt immer mehr
in Resignation. Der 11-Jährige hat eine echte Sinnkrise.
Seine Altersgenossen verstehen aber nicht einmal die Fragen, die
ihn plagen.
Viel
später schreibt der Arzt und Therapeut Dr. Martin Jost: „Auf
den ersten Blick könnte man diese Geschichte als ‚schwarze
Stunde‘ in meinem Leben bezeichnen. Es war wirklich nicht
viel Schönes daran: viel Verzweiflung und Resignation ...
Aber je länger ich darüber nachdenke, desto eher bin
ich der Überzeugung, dass ... es sich um eine eigentliche
Sternstunde gehandelt hat.“ Diese Krise hat „mir den
Blick geöffnet für eine Fragestellung, an der viele
Zeitgenossen unter Umständen ihr Leben lang vorbeigehen ...
So deprimierend es damals war, auf diese zentrale Frage keine
Antwort zu erhalten, so befreiend ist es heute, dass dieses
Grundbedürfnis auf überwältigende Art und Weise
gestillt ist! Es ist klar geworden, welch ungeheure Bedeutung
Fragen nach dem Sinn haben, welches Urbedürfnis des Menschen
hier angesprochen wird und in welche Tiefen wir fallen können,
wenn hier die Antworten ausbleiben“.
Das Thema Sinn
hat Konjunktur, denn die Sinnfrage zieht sich wie ein roter Faden
durch unser Leben. Heutzutage ist die Suche nach Sinn jedoch
offensichtlich zu einem Problem geworden. Der bekannte Wiener
Neurologe und Psychiater Viktor E. Frankl erklärt, die
meisten Menschen hätten in den Industrieländern genug,
wovon sie leben könnten, aber viele wüssten nicht mehr,
wofür sie zu leben hätten. In der heutigen
Wohlstandsgesellschaft gehe das Sinnbedürfnis des Menschen
leer aus.
Viele Menschen ahnen, dass Sinn in „so
etwas wie Gott“ zu finden sein könnte. Sie suchen
daher Antworten bei allerlei Göttern und Gurus, in
verschiedenen Religionen und Religionsformen. Einige feiern das
Fest der germanischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara, andere
(weitaus mehr) wenden sich dem Buddhismus zu. Auch die
verschiedensten (zumeist fernöstlichen) Glaubens- und
Aberglaubenslehren werden reaktiviert. Sie vereinigen oft
Elemente aus Astrologie, Okkultismus und östlichen
Religionen, wobei die Magie eine große Rolle spielt. Dieser
Markt der religiös-esoterischen Möglichkeiten ist
mittlerweile nicht nur unübersehbar geworden, sondern seine
Ausprägungen wie Meditationstechniken, fernöstliche
Weisheiten, ganzheitliche Heilmethoden in Verbindung mit
Handauflegen usw. treffen auch auf eine breite Akzeptanz in der
Bevölkerung. Auf dem Gebiet der Esoterik werden in
Deutschland laut Schätzungen alljährlich an die 9
Milliarden Euro umgesetzt.
Die
Beliebigkeit, mit der man zwischen den verschiedenen
Sinnmöglichkeiten wählt, hängt u.a. mit dem
Zeitalter der „Postmoderne“ zusammen, in dem wir
leben. Der Soziologe Zygmunt Baumann stellt fest: „Postmoderne
ist ein Freibrief, zu tun, wozu man Lust hat, und eine
Empfehlung, nichts von dem, was man selbst tut oder was andere
tun, allzu ernst zu nehmen. Sie ist die Aufmerksamkeit, die
gleichzeitig in alle Richtungen gelenkt wird, so dass sie sich
auf nichts länger konzentrieren kann und nichts wirklich
eingehend betrachtet wird. Postmoderne ist die erregende
Freiheit, jedes beliebige Ziel zu verfolgen, und die verwirrende
Unsicherheit darüber, welche Ziele es [wert] sind, verfolgt
zu werden, und in wessen Namen man sie verfolgen sollte.“
In
früheren Zeiten hatten viele Menschen den Blick auf das
Jenseits gerichtet und wurden in ihrem Leben dadurch bestimmt.
Demgegenüber glauben die meisten Deutschen heute kaum noch
an ein Leben nach dem Tod; sie interessieren sich nur noch für
das Diesseits. Daher versuchen sie, aus dem gegenwärtigen
Leben herauszuholen, was herauszuholen ist. Denn wenn man keinen
Himmel mehr als Perspektive hat, ist das Leben auf der Erde die
letzte Gelegenheit zu leben und etwas zu erleben. So erwarten die
Menschen von diesem auf sieben oder acht Jahrzehnte befristeten
Leben eigentlich alles. Was in diesem Leben nicht stattfindet,
findet überhaupt nicht statt. Kristine formuliert: „Ich
bin aufgewachsen mit dem Satz ‚Nach mir die Würmer‘.
Es lohnt nicht, sich über den Tod den Kopf zu zerbrechen,
ich bin auf eine Überraschung eingestellt. Lebendigkeit ist
der Sinn des Lebens.“ So lebt man dann sein Leben, indem
man versucht, die positiven Erlebnisse zu maximieren: Spaß
haben, exotische Hobbys, Urlaubsreisen in entlegene Länder,
luxuriöse Autos, sexuelle Abenteuer. Dabei wird eins immer
deutlicher: In materiellen Dingen lassen sich Sinn und Zuversicht
nicht finden. Der Trend zum einfacheren Leben, aber auch die neue
Sparsamkeits- und Geizwelle zeigen, dass die Konsumwelt als
Sinnquelle immer weniger taugt. Materielle Werte können das
leere Selbst nicht dauerhaft füllen. Die Frage nach dem Sinn
des Lebens drängt wieder in den Vordergrund – und mit
ihr die Frage nach den Quellen des Sinns.
Sinn finden
Nicht immer hatten die Menschen mit der Sinnlosigkeit ihrer
Existenz Probleme. Zu Beginn der Menschheitsgeschichte lebten die
Menschen im Garten Eden in einem „paradiesischen“
Zustand ohne Sorgen, Mühe, Angst oder Konflikten, und sie
hatten Umgang mit Gott. Dieser wurde dann aber unterbrochen, weil
die Menschen gegen Gott rebellierten. Sie wollten sein wie er.
Sie übertraten Gottes Gebot, und so war das Verhältnis
zwischen Gott und Menschen zerstört. Die Menschen mussten
den Garten verlassen. Stabilität, Kontinuität und
Harmonie waren dahin, und bis heute geht es auf und ab, es gibt
Aufbau und Zerstörung, Krieg und Frieden.
Gott
hatte den Menschen mit einem Willen ausgestattet, und darin war
inbegriffen, dass er sich gegen ihn auflehnen konnte, was dann
auch geschah. Das hatte aber noch weitreichendere Folgen: Der
Wunsch nach Unabhängigkeit führte dazu, dass die
Menschen von der Sünde abhängig wurden. Sie versuchten
ein sinnerfülltes Leben ohne Gott zu schaffen und
scheiterten immer wieder. Weil die Menschen Gott aus ihrem Leben
strichen oder ihn kaum beachteten, versanken sie in Mordlust,
okkulte oder abergläubische Praktiken, Hurerei, Bosheit,
Streit usw. Die Bibel nennt dies sündigen. Dazu gehört
aber z.B. auch lügen, stehlen, habgierig und egoistisch
sein, neiden, verleumden, sich berauschen und sich eigenen Idolen
zuwenden. Jeder Mensch hat einmal gesündigt und ist somit
Gott gegenüber schuldig. Die Folge davon ist ein unerfülltes
Leben und nach dem Tod die Hölle.
Es gibt jedoch eine
Möglichkeit, ein sinnerfülltes Leben zu bekommen und
nach dem Tod für ewig gerettet zu sein. Dazu muss man
einsehen, dass es nicht gelingt, Erfüllung und Befriedigung
mit eigenen Methoden zu finden. Man muss von seinen bisherigen
Vorstellungen umkehren und Jesus Christus – der an unserer
Stelle für die Sünden starb – seine Sünden
bekennen. Er verspricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich
nicht hinausstoßen“ (Johannes 6,37). Und: „Wer
mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat
ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod
ins Leben hinübergegangen“ (Johannes 5,24). Jesus
Christus ist der Sohn Gottes und vom Himmel gekommen, am Kreuz
gestorben und wieder auferstanden, um den zu besiegen, der Gewalt
über den Tod hat, nämlich den Satan. Als Feind Gottes
und der Menschen versucht der Satan mit List und durch Gewalt zu
entzweien, zu zerstören und Menschen in seinen Bann zu
ziehen. Er will, dass sie sich nicht Gott, sondern der Esoterik,
dem Aberglauben oder ausschließlich der Zerstreuung widmen.
Er versucht auch zu verhindern, dass die Menschen Hoffnung und
eine gute Perspektive bekommen. In der Zukunft wird er dafür
aber bestraft und auch zur Wirkungslosigkeit verurteilt
werden.
Unsere
Sehnsucht nach einem sinnerfüllten Leben entspringt also
unserer Bestimmung für Gott. Wir sind zur Gemeinschaft mit
Gott geschaffen worden. Dazu können wir aber nur gelangen,
indem wir eine echte Beziehung zu Jesus Christus haben. Je mehr
ein Christ dann in dieser Bestimmung lebt, desto mehr wird seine
Sehnsucht nach Gott gestillt. Wenn es für den Martin damals
eine „Sternstunde“ war, sich mit dem Sinn des Lebens
beschäftigt zu haben, dann ist es auch wünschenswert,
dass jeder andere diese Sternstunde erlebt, da uns – wie
Martin – vielleicht deutlich geworden ist, „welch
ungeheure Bedeutung Fragen nach dem Sinn haben, welches
Urbedürfnis des Menschen hier angesprochen wird und in
welche Tiefen wir fallen können, wenn hier die Antworten
ausbleiben“.
Auszug
aus: Jochen Klein: Sehnsucht nach Sinn. (www.daniel-verlag.de)
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